Pro & Contra Braucht Münsters Hauptbahnhof eine dritte Radstation?

Münster -

Braucht der münsterische Bahnhof neben der bestehenden Radstation und der geplanten am Bremer Platz eine dritte Radstation? Das ist in dieser Woche die Frage bei unserem Pro & Contra.

Von Klaus Baumeister und Björn Meyer
Foto: Matthias Ahlke

Pro: Wilder Westen ist Geschichte

Die bestehende Radstation am Hauptbahnhof ist überlastet, die geplante am Bremer Platz kann mit nur 2000 Plätzen allenfalls die Lücke schließen, die durch den Wegfall der bestehenden Ständer entstanden ist. Und die Verkehrsfläche rund um den Bahnhof ist schlicht zu klein, um das Heer an wild abgestellten Rädern aufnehmen zu können.

All das könnte man achselzuckend ertragen, gäbe es nicht das klare Bestreben der Stadt, den Radverkehr auszubauen und überdies den Umweltverbund aus Bus, Bahn und Fahrrad zu stärken. Der zentrale Umsteigepunkt ist der Hauptbahnhof. Die Alternative zu noch mehr Fahrrädern wären noch mehr Autos und noch mehr Staus.

Wenn man diese Punkte abwägt, ist es nur noch ein kurzer Weg bis zur Idee einer dritten, großen Radstation, freilich verbunden mit mehr Restriktionen für wild abgestellte Räder. Puristen, die noch immer davon träumen, dass man Räder an jeder Straßenlaterne abstellen kann, mögen sich darüber ärgern. Aber auch im Radverkehr ist der Wilde Westen längst Geschichte. (Klaus Baumeister)

Contra: Falscher Adressat

Ja, äh nein, ich mein‘ – jein. Ein Bahnhof benötigt sicher vieles: Gleise und Züge natürlich, einen Zeitungskiosk, WCs, Sitzmöglichkeiten, Raucherbereiche und eine Möglichkeit, sich zu verpflegen. Aber eine Radstation? Eine Radstation braucht nur der Bahnhof, in dessen Umfeld Platz fehlt. Wodurch sich folgerichtig die Frage ergibt, ob der münsterische Bahnhof und seine Umgebung vielleicht nicht gut geplant sind? Eine aufwendig zu bauende Fahrradstation ist zwar immerhin vor der grauenhaften Maßnahme im völlig verengten Hamburger Tunnel anzusiedeln. Irgendwie wird der geneigte Radfahrer aber dennoch das Gefühl nicht los, dass es sich hier um die vermeintliche Lösung eines Problems handelt, dem gerade der Radelnde entgegenwirken will.

Zu wenig Raum für den Verkehr – darunter soll ausgerechnet der Radfahrer leiden? Er soll mit Steuergeldern für den Bau zahlen, und zusätzlich noch für das Abstellen seiner Leeze berappen. 80 Euro im Jahr? Das wird sich mancher überlegen. Mit dem Ergebnis, dass es um den Bahnhof wieder voll werden wird. Wetten? (Björn Meyer)