Künstler der Ateliergemeinschaft Hoppengarten öffnen ihre Ateliers Ein Süppchen kochen mit Karl Marx

Münster -

ustvoll, fröhlich, einfallsreich geht es am Hoppengarten zu. Zwölf der dort arbeitenden Künstler öffnen am Wochenende für drei Tage ihre Ateliers. Und die Besucher erwartet Nachdenkliches, Schönes und Spaß.

Von Gerhard H. Kock
Künstlerinnen der Hoppengarten-Ateliers laden ein – hier Lisa Schlosser. Foto: Gerhard H. Kock

Lustvoll, fröhlich, einfallsreich geht es am Hoppengarten zu. Zwölf der dort arbeitenden Künstler öffnen am Wochenende für drei Tage ihre Ateliers. Und die Besucher erwartet Nachdenkliches, Schönes und Spaß.

Mit Karl Marx. Wer hätte es gedacht? Ricarda Mau und Uwe Wiedenstried bieten in ihrem Atelier zum 200-Jährigen des Denkers einen Quiz-Parcours an. Zur digital instrumental eingespielten Internationalen gilt es, ein Marx-Zitat innerhalb von zwei Minuten aus Buchstaben zusammenzusetzen, beim Marx-Lotto „6 aus 36“ Original-Zitate zu erraten, und zuletzt können bei „Marx ist Trumpf“ Lose gezogen werden, die Punkte bringen oder wieder abziehen. Wer Stalin zieht, bekommt 200 Punkte abgezogen. Zu gewinnen gibt es eine Nudelsuppe „Theorietelle“. Dafür hat das Künstlerpaar 26 710 Buchstaben in 26 Becher sortiert und auf die Tütchen verteilt. Gewinner können so ein Marx-Zitat-Süppchen kochen.

Wiebke Bartsch ist vom Atelierspeicher zum Hoppengarten gezogen, wo sie sich ein wohnzimmergleiches Atelier geschaffen hat – an der Wand: Blumen. Seit März zeichnet sie täglich in altmeisterlicher Manier Blumen, frische, verwelkte, in Vasen oder im Topf. In die Tiefen des Menschen führen ihre Telefonzeichnungen der Gastroenterologie.

Sayra Latif ist das zweite neue Gesicht am Hoppengarten. Aufgewachsen in Emden, studiert sie hier Soziale Arbeit und stellt Gemälde aus, die „farbenfroh melancholisch“, vorwiegend abstrakt sind und Strukturen variieren und kombinieren.

Theresa Potente zeigt nicht nur ihre schneeweiße Steinfigur „Ave“, die eine warnende Gans sein könnte, sondern kombiniert Holz und Textil, Geometrie und Natur. In Bögen gefundener Äste spannt sie spinnengleich Fäden. Ferner lädt sie Besucher ein, im Gästebuch Ideen für den Platz zu hinterlassen, auf dem zuvor Flüchtlinge eine Weile zu Hause waren.

Lisa Schlosser sucht im Formprozess mit dem Material Ton Gesichter; die müssen schön nicht im Sinne von hübsch, sondern stimmig sein. So entstehen launigseltsame Wesen zwischen Kobold und Schelm.

Ulrike Lindken greift ihren Namen auf und erzählt mit fingernagelgroßen Blättchen aus China-Papier und Kiefern-Nadeln die antike Sage von Philemon und Baucis. Höchst aktuell: Gewähren die beiden doch im Gegensatz zu wohlhabenden Bürgern Fremden Gastfreundschaft. Die ungastliche Stadt wird vernichtet, das Paar mit ihrem Tod in eine Eiche und eine Linde verwandelt. Deren Blattformen lässt Lindken gleichsam aufeinander zuwehen und vereint sie im mittleren der fünf Blätter.

Mari Girkelidse zeigt ihre Druckgrafiken „streng und frei“ für das Kloster Bentlage, inspiriert durch biblische Frauenfiguren wie Maria Magdalena und Salome. Iris Palandt idealisiert münsterische Orte: Da schwingt sich eine Turmspringerin vom sauberen Pardo-Pier sportlich rücklings in einen hellblauen Aasee – zu schön um wahr zu sein. Susan Gretz präsentiert eine Reihe von Selbstporträts, die mal mit wenigen Strichen eher Gemütszustände aufs Papier bringen, mal struppige Ähnlichkeiten zeigen.

Inga Leugers ist derzeit in einer Art Laborphase, testet viele Formen und Techniken aus. Als sei er sinnierend hat sie einen ihrer Ton-Köpfe (mit einem Löffel blank poliert) auf einen Stapel Bücher von Frans Masereel gelegt, deren Titel dem Arrangement eine Deutung geben: „Der Weg der Menschen“, „Geschichte ohne Worte“ und „Die Sonne“.

Ferner stellen aus Claudia Alfers und Wolfgang Brecklinghaus.

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Die Offenen Ateliers Hoppengarten 28 finden am Wochenende (14. bis 16. September) am Freitag von 18 bis 21 Uhr, am Samstag von 14 bis 19 Uhr und am Sonntag von 11 bis 18 Uhr statt.