Bahnstrecke Münster-Lünen Der Ton wird ruppiger: Bürgermeister sauer auf die Bahn

Münster -

Das zweite Gleis der Bahnstrecke Münster-Lünen kommt. Nur wann und auf wie vielen Kilometern, weiß niemand genau. Das stört die Oberbürgermeister von Münster und Dortmund, Markus Lewe und Ullrich Sierau, sowie die Vertreter der Anrainer-Gemeinden. Sie fühlen sich von der Bahn bei diesem Thema verschaukelt. Und sind stinksauer.

Von Elmar Ries
Die Bahnstrecke Münster-Lünen entwickelt sich immer mehr zum Zankapfel. Foto: Wilfried Gerharz

Im Streit um den geplanten Ausbau der Bahnstrecke Münster-Lünen wird der Ton rauer. Am Montag trafen sich die Oberbürgermeister von Dortmund und Münster, Ullrich Sierau und Markus Lewe, erneut und gemeinsam mit Vertretern der Anrainer-Gemeinden, um dreierlei zu tun: nachdrücklich auf den Ausbau der eingleisigen Strecke über die zunächst von der Bahn bestätigten sechs auf die ursprünglich avisierten 27 Kilometer zu bestehen. Zu fordern, dass die von Januar bis August angesetzte Reparatur des Bahndamms bei Werne und Ascheberg auch wirklich im angegeben Zeitrahmen fertiggestellt wird. Und vor allem: um Dampf abzulassen.

Den Umgang der Deutschen Bahn mit dem Thema, die Reaktion der Konzernzentrale auf die aus der Region formulierten Sorgen empfinden deren Repräsentanten schlichtweg als unverschämt. „Wir sind doch keine Frühstücksdirektoren“, ereiferte sich Lewe. „Die Art und Weise, wie mit dem The­ma umgegangen wird, hat kein Vertrauen aufgebaut“, schimpfte Sierau. „Die Situation ist in hohem Maße unbefriedigend“, ergänzte Dr. Fritz Jaeckel, Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen.

Gesteigerte Verärgerung

Schließlich sei das eingleisige Nadelöhr zwischen Münster und Lünen Teil einer wichtigen Nord-Süd-Bahn-Verbindung, die ei­nen starken Wirtschaftsraum quere, in dem eine Million Menschen lebten. Im Verlaufe des Gespräches fielen immer wieder die Worte „unverschämt“, „nicht hinnehmbar“, „kein Vertrauen mehr“.

Schon im März hatten die Bürgermeister ihre Wut in ei­ner Resolution verpackt und darin den weitgehenden Ausbau und eine zügige Reparatur gefordert. Am Montag wiederholten sie dies.

Kritik an eingesetzten Zügen

Das Planfeststellungsverfahren für den ersten Ausbauschritt solle umgehend begonnen und mit Geld hinterlegt werden. Die Perspektive auf die Verlängerung der Zweigleisigkeit im Zuge des Deutschlandtaktes müsse mit einem „sichtbaren Zeichen“ unterfüttert werden. Zudem müsse die „erheblich eingeschränkte Fernverbindung“ zwischen Dortmund und Münster während der reparaturbedingten Streckensperrung über eine Ausweitung der Umleitungsverkehre über Hamm „so weit wie irgend möglich wiederhergestellt werden“.

Und weil Lewe ordentlich in Fahrt war, legte er noch ei­nen nach: „Es täte der Bahn gut, auf der Strecke vernünftige Züge einzusetzen.“ Mit großem Tamtam im Dezember den ICE IV anzukündigen und den dann nur einmal fahren zu lassen, passt offenbar ins Bild, das er und die anderen derzeit vom DB-Konzern haben.